Die Projektwoche "Sichere Orte" in der Sekundarstufe

Vom 25. bis zum 29.04. fand in der Sekundarstufe eine Projektwoche zu den Themen „Schutzkonzept gegen sexuelle Gewalt“ und „Sexualität“ statt. Das Schutzkonzept, das derzeit vom Fachkreis Kinderschutz und Kinderrechte erstellt wird, ist für unsere Schule ebenso wie für andere pädagogische Einrichtungen verpflichtend, unterstützt uns vor allem aber im Alltag, unsere Schule zu einem sicheren Ort für alle Beteiligten zu machen.

Infos zu den Hintergründen wie und warum wir uns damit auseinandersetzen findet ihr hier:

https://www.kein-raum-fuer-missbrauch.de/schutzkonzepte

Wichtig war uns, die Kinder so weit wie möglich in die Erarbeitung mit einzubeziehen – dazu galt es natürlich erstmal, die Themen ins Bewusstsein zu holen.

Nach einer gemeinsamen Begrüßung am Montag wurden in den einzelnen Gruppen unterschiedliche Module angeboten und jeweils altersgerecht angepasst.

  • Die Umfrage zum Thema hat die Kids auf das Thema eingestimmt und ihnen ermöglicht, erste eigene Ideen einzubringen
  • Schutzkonzept und Reckahner Reflexionen: Was steht im Schutzkonzept und wie wollen wir gewaltfrei zusammen leben
  • Was ist sexualisierte Gewalt? Formen, Recht, Statistik, Tipps
  • Diskussion von beispielhaften Situationen: „Ist das o.k.?“
  • Ein Webinar zum Thema Cybermobbing und Co. vom Verein Prävention 2.0 e.V.
  • Grenzen finden und verteidigen mit Mitteln des Darstellenden Spiels
  • Gute und schlechte Geheimnisse – Interventionskonzept – Ansprechpersonen – Vertrauenslehrer – Schweigepflicht

Gruppenintern wurde zusätzlich an Themen wie Sexualkunde oder auch zu geschlechterspezifischen Rollen in der Gesellschaft gearbeitet.

 

Umfrage

Ein Bestandteil unserer Projektwoche war zunächst eine Umfrage unter den Kindern für eine Bestandsaufnahme:

  • Wie sehen die Kinder die an der Schule gelebte Kultur des Miteinanders?
  • Wie aufgehoben fühlen sie sich?
  • Wie schätzen sie ihre Mitbestimmungsmöglichkeiten und Mitteilungsmöglichkeiten ein?

Unsere Umfrage hat sich orientiert an einem Evaluationstool der Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (https://fragen-an-dich.de/).

Eine Teilauswertung der Ergebnisse findet ihr im Anhang 2.

Hier ein paar Erläuterungen:

  • Die Kinder fühlen sich fast alle gut aufgehoben und sind gern an der FSU. Diese Zustimmung ist signifikant höher als an hessischen Regelschulen (Vgl. Umfrage aus 2018).
  • Die Beziehungen zu den TeamerInnen werden als überwiegend sehr gut beurteilt.
  • Jedoch wird das Beschwerdemanagement und der Austausch über persönliche Probleme gemischt wahrgenommen. Das ist für uns Anlass, hier mehr Bewusstsein, Raum und Klarheit zu schaffen.
  • Die Mitbestimmungsmöglichkeiten schätzen die FSU Kinder auch im Vergleich zu den Regelschulkindern als sehr hoch ein.

Diese Werte zeigen uns, dass wir unsere Schule tatsächlich gemäß unseres Leitbildes gestalten: vor Jahren haben wir die „Reckahner Reflexionen zur Ethik pädagogischer Beziehungen“ zu unseren Leitlinien gemacht und das scheint nicht nur auf dem Papier so zu sein.

 

Schutzkonzept und Reckahner Reflexionen:

Ein weiteres Modul war das Vorstellen des Schutzkonzeptes in seiner derzeitigen Form.

Hier konnten wir gemeinsam nochmal darauf eingehen, wo Beteiligungs- und Beschwerdemöglichkeiten für Kinder an der Schule bestehen.

Danach haben wir uns die Zeit genommen, um gemeinsam mit den Kindern eine Verhaltensampel in der Beziehung zwischen Erwachsenen und Kindern an der Schule zu erstellen und zu diskutieren.

Anschließend haben wir uns den Punkt „Verhaltenskodex für Mitarbeiter*innen“ des Schutzkonzepts, genauer angeschaut.

Der Blick auf die Reckahner Reflexionen hat den Kindern verdeutlicht, an welchen Leitlinien sich das Verhalten der Erwachsenen an der FSU orientiert und was die Grundlage der Gestaltung der pädagogischen Beziehungen bildet.  https://paedagogische-beziehungen.eu/

 

Was ist sexuelle Gewalt?

Die Umfrage zu Beginn der Projektwoche hat ergeben, dass die Namenlosen und Alten gerne mehr über sexuelle Gewalt erfahren würden.

Da eines der Ziele war, die Woche an den Interessen der Kinder auszurichten, haben wir kurzerhand ein Modul zum Thema eingebaut.

Hier ging es um die Dimensionen und Erscheinungsformen von sexualisierter Gewalt, rechtliche Begrifflichkeiten und Rahmenbedingungen, statistische Erhebungen, Tipps und Handlungshinweise.

Ist das ok?

Im Modul „Ist das ok?“ haben die Schüler*innen anhand konkreter Alltagssituationen überlegt, wie sie sich in der Situation fühlen würden. Dabei haben sie ein Gefühl dafür entwickelt, dass unterschiedliche Menschen die Situationen durchaus unterschiedlich bewerten, dass das in Ordnung so ist und das eigene Handeln immer auch die Grenze des Gegenübers im Blick haben muss.

Cybermobbing und Co.

In diesem Webinar, in das die Kinder online zugeschaltet wurden, wurde ausführlich die rechtliche Seite verschiedener Aktivitäten im Internet beleuchtet. Die Referentin Gesa Stückmann ist seit vielen Jahren als Anwältin auf diesem Gebiet tätig und hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kinder über ihre Rechte im Internet aufzuklären – aber eben auch darüber, welche Konsequenzen sie zu erwarten haben, falls sie sich nicht an die Regeln halten. Weitere Informationen findet ihr hier: https://www.law4school.de/

 

Grenzen finden und verteidigen mit Mitteln des Darstellenden Spiels

Hier haben wir in verschiedenen Übungen unsere persönlichen Grenzen im Raum wahrgenommen und ausprobiert, wie man „Eindringlinge“ abweisen kann. Dabei haben wir mit Stimme, Haltung, Blick und Präsenz gespielt und das dann immer wieder diskutiert. Das war eine sehr grundlegende und sehr persönliche Erfahrung der eigenen Grenzen. Die Kinder haben sich sehr gut darauf eingelassen und an sich gearbeitet. Hut ab!

Gute und schlechte Geheimnisse -

und die Frage, an wen wende ich mich, wenn ich ein Geheimnis habe, mit dem ich mich unwohl fühle:

Das sind die Themen, die wir in diesem Modul bearbeitet haben. Anhand von konkreten Beispielen haben wir überlegt, welche Geheim-nisse man für sich behalten kann (und sollte) und welche Geheimnisse mitgeteilt werden sollten, ohne dass das etwas mit „Petzen“ zu tun hat. Wir haben schnell gemerkt, dass das manchmal gar nicht so klar ist!

Der zweite wichtige Punkt aus diesem Modul:

An wen kann ich mich wenden, wenn mir ein Problem auf der Seele liegt?

Neben Eltern und Freunden sind die Teamer*innen häufig genannte Ansprechpartner – hier haben wir besprochen, was eigentlich eine Schweigepflicht ist und was weiter passiert, wenn ein Kind Hilfe bei seinen Teamer*innen sucht.

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